:das projekt

1minless – “Eine Minute weniger”- dieser Name bezieht sich auf die Rundenzeit, die Frauen* im Gegensatz zu Männern* in Wettkämpfen im Boxen oder Thaiboxen zugestanden wurde und von einigen Organisationen (besonders in Thailand) noch immer wird. Diese Minute steht sinnbildlich für diskriminierende Erfahrungen und Zuschreibungen, die Frauen* im Kampfsport erleben und dafür, dass es auch in Zeiten zunehmender geschlechtlicher Gleichberechtigung noch immer viele kleine und große Unterschiede gibt, mit denen Frauen* in einer klassischen Männerdomäne konfrontiert sind. Diese reichen von der fast immer vorherrschenden Minderheitenposition, in der sich Frauen* in Kampfsportstudios wiederfinden, über absurde biologistische oder gar medizinische Theorien, warum Kampfsport nichts für Frauen* sei bis hin zur entweder fehlenden oder wenn doch vorhanden sexualisierten Vermarktung – um nur einige Beispiele zu nennen.

Diese Unterschiede und unsere Erfahrungen in verschiedenen Kampfsportdisziplinen wollen wir in diesem Blog in Form von Texten, Audiofeatures und Podcasts mit euch teilen. Darüber hinaus stellen wir euch andere Kampfsportler*innen in Portraits und Interviews vor und dokumentieren interessante Events zum Thema.

Wir sind Sportlerinnen*, Kämpferinnen*, Trainerinnen* und Coaches* und wir sind Frauen* und Feminist*innen. Wir möchten über Sport sprechen, über Techniken nerden, über verschiedene Trainingsmethoden sinnieren, Erfahrungen und Wissen sammeln und teilen. Wir möchten dazu motivieren, Kampfsport neu zu betrachten und dabei mitdenken, dass alle Menschen ganz unterschiedliche Zugänge zu Sport haben. Dass auch hier, wie in allen Bereichen unserer Gesellschaft, Bilder und Normen herrschen, die wir alle von klein auf direkt oder auch unbewusst vermittelt bekommen haben. Die wir durch unser Handeln und Verhalten festigen und reproduzieren oder auch brechen können. Wir möchten gesellschaftliche und soziale Dynamiken im Kampfsport mitdenken. Wir möchten kritisch reflektieren, was wir und andere in ihrem Trainings- und Kampfalltag erleben und Erfahrungen teilen.

*Anmerkung zur Sternchenverwendung: Wir kennzeichnen die etablierten Geschlechterrollen Mann und Frau mit einem Sternchen um deutlich zu machen, dass wir diese als soziale Kategorien verstehen und Menschen, die sich jenseits dieser verorten, mitdenken wollen.

:wer wir sind

:stef

hat spät mit dem Kampfsport angefangen, weil Mädchen doch lieber zum Turnen oder Ponyreiten sollen. Mit Mitte 20 dann das Bedürfnis, die große Klappe auch selbst verteidigen zu können. Krav Maga, Kickboxen, JuJutsu waren die ersten Stationen, dann der Wechsel zum MMA, der die Sucht ausgelöst hat. Heute vor allem auf dem Boden zu finden. Sportlerin, Wettkämpferin (MMA, Muay Thai, Grappling und BJJ), Trainerin, außerdem glühende Feministin, die möglichst viele Frauen für ihren tollen Sport begeistern will. Neben dem Kampfsport kennt sie sich auch mit Athletiktraining, verletzt sein und alt werden aus – und sie liebt Pizza!

:satela

hat ihre Kindheit und Jugend sitzend, turnend, stehend, Salto schlagend auf Pferden verbracht. Über Hip-Hop tanzen & Akrobatik ist sie mit Mitte 20 in einer queeren Thaibox Gruppe gelandet, hat eine neue Leidenschaft entdeckt, gekämpft und sich aufgemacht die Kampfsportwelt kennenzulernen. Aktive Wettkämpferin, hat Trainingserfahrungen in diversen Trainingszusammenhängen in Berlin, in Thailand und vereinzelten anderen europäischen Städten gesammelt. Hat im akademischen Rahmen über (gender) soziale Dynamiken im Kampfsport nachgedacht und geschrieben. Muay Thai & Athletik Trainerin, Masseurin, Ethnologin, Feministin & ein besonderer Hang zu kleinen und großen Baggern.

:valverie

ist eine southpawende Ellenbogenliebhaberin. Hat das Klavierspielen Anfang 20 gegen das Boxen ausgetauscht. Bevor sie ein traumatisiertes Schulsportkind wurde, tanzte sie bereits mehrere Jahre Ballet. Ihren wirklichen Zugang zum Sport und ihrem Körper hat sie allerdings erst mit Mitte Zwanzig in ihrer neuen Leidenschaft Muay Thai entdeckt. Es zählte nicht länger vordergründig das Aussehen, sondern wie Technik, Masse und Dynamik strategisch zusammengeführt werden, und sich dadurch ein aktives, selbstbestimmtes Körpergefühl und Selbstbild einsetzte (#truestorybourdieu!). Seitdem trainiert sie mit verschiedenen Leuten in verschiedenen Trainingsgruppen – am liebsten zu HipHop und Soul. Manchmal steckt sie in fleißigen Wettkampfvorbereitungen und freut sich über den Fokus, manchmal ist sie einfach nur ein sad grrrl, gestresst vom Leben und der Welt und findet ihren Ausgleich an den Pratzen. Ansonsten kann sie ohne Kaffee und Grapefruitsaft nicht leben und macht am liebsten Bilder in Squat-Position.

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